Irgendwas mit Wald, 11. November bis 18. Dezember 2011

Irgendwas mit Wald

Norbert Bauer / Ralf Tekaat
GaDeWe - Galerie des Westens, 11. November bis 18. Dezember 2011

Seit 2004 finden sich die beiden Künstler Norbert Bauer (Bremen) und Ralf Tekaat (Berlin) immer wieder für gemeinsame Projekte zusammen. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht das Interesse an gesellschaftlichen Mythen. Insbesondere die Frage, welche Bilder, Begriffe und Ereignisse Eingang ins „kollektive Gedächtnis“ finden und wie diese dargestellt und kommuniziert werden, ist Ausgangspunkt ihrer künstlerischen Arbeit. Darin reflektieren sie visuelle und sprachliche Erzählformen, die bei der Konstruktion von gesellschaftlichen Mythen zu Anwendung kommen und setzen sie als eigene Strategien der künstlerischen Arbeit ein. In ihrem ersten Projekt erzählten sie die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland ab 1945 neu und wiesen in einer aufwendigen "Recherche" nach, dass sämtliche bedeutsame Ereignisse der Republik von einem bisher unentdeckten deutschen Superhelden, dem Raketenmann, beeinflusst waren. Dieser war in das Siegtor von Bern ebenso verwickelt, wie in die Guillaume-Affäre und die deutschen Wiedervereinigung, bevor er Ende der 1990er Jahre im Dunkel der Geschichte verschwand. 2009 beschäftigten sie sich mit den Auseinandersetzungen um das Atomkraftwerk Brokdorf. Beteiligte und Zeitzeugen berichteten vom Einfluss der Protestbewegung weit über den norddeutschen Raum hinaus, so zum Beispiel auf die amerikanische Musikszene mit Gründung der New Yorker Band Brokdorf. Der Brokdorf-Demonstrantin Manu widmeten Bauer und Tekaat zwei Jahre später ein eigenes Projekt.
Die im Rahmen von Brokdorf erfolgte Präsentation eines bisher verschollenen mittelalterlichen Textes, des so genannten Brokdorfliedes, gab schon einen Hinweis auf eine Erweiterung des Mythenthemas über den Rahmen der BRD-Geschichte hinaus. In ihrer neuen Arbeit in der GaDeWe nehmen Norbert Bauer und Ralf Tekaat nun ein Lieblingsthema der deutschen Romantiker zum Ausgangspunkt ihres kreativen Umgangs mit kulturgeschichtlichen Phänomenen. Nur soviel kann an dieser Stelle schon verraten werden: Es ist .... "Irgend was mit Wald".

Angela Piplak



HFK/GaDeWe, Klasse Franka Hörnschemeyer

HFK/GaDeWe

Es ist in der GaDeWe mittlerweile schon Tradition einmal im Jahr eine Klasse
der Hochschule für Künste mit ihren Arbeiten auszustellen.
Hier können die angehenden Künstlerinnen und Künstler Erfahrungen mit dem Ausstellungsbetrieb machen und die Galerie kann ihr Konzept, ein “Sprungbrett”
für junge Kunst zu sein, umsetzen.

Klasse Franka Hörnschemeyer - Studenten der Freien Kunst der HfK Bremen

Bildhauerei steht bei dieser Präsentation im Schlagaustausch zwischen klassischer Assoziationen und neuzeitlicher Begriffserweiterungen.
Der Ausstellungsraum der GaDeWe spielt in seiner Geschichte und Form genauso eine Rolle, wie die Betrachter selbst, denn der Raum kann im Kunstprozess nicht nur physikalisch betrachtet werden, sondern auch soziologisch.
Die Ausstellung schöpft aus Ansätzen der Kulturgeschichte und den Erfahrungshorizonten der jeweiligen Studenten, die sich mit Material, Umsetzung und Gestaltung, Idee und Konzept auseinander setzen.
Diese Vielfalt der Bildhauerei wird aufgegriffen und in einem gemeinsamen Diskurs erarbeitet.
Die Zusammenarbeit steht somit ebenso im Mittelpunkt wie das gemeinsame Schaffen.


Vernissage: 21.10.2011, 20Uhr

Finissage: 04.11.2011, 18Uhr

Ausstellungsdauer: 21.10.2011- 04.11.2011



Die Künstlerinnen und Künstler mit der Professorin:
Clarissa Dietrich, Philipp Schneider, Elise Müller, Claudia Piepenbrock, Andre´ Sassenroth, Helena Otto,
Professorin Franka Hörnschemeyer, Jieun Lee, Misrad Herenda
Es fehlen: Yumi Jung und Hinrich Brockmüller



Bremer Westen für Afrikas Osten!

Bremer Westen für Afrikas Osten!
Benefiz-Veranstaltung in Bremen-Walle für die Opfer der Hungersnot in Ostafrika
Ort: GaDeWe (Ausstellung, Lesungen) und
Karo (Konzerte)
Reuterstraße 9–17, Bremen-Walle
Zeit: 27. August 2011, ab 18:00 Uhr
Eintritt: Der Eintritt ist frei – über eine Spende zugunsten von
„Ärzte ohne Grenzen“ würden wir uns sehr freuen!
Wir möchten allen, die angesichts der fürchterlichen Situation in Ostafrika genauso mitfühlen
und ebenso hilflos sind wie wir, ein „moralisches Angebot“ machen: kommt am Samstag,
27. August nach Walle, macht euch einen schönen Abend mit Kunst, Musik und Kultur, trefft
nette Leute, amüsiert euch – UND HELFT DABEI! Wir haben ein umfangreiches Kulturprogramm
auf die Beine gestellt: Künstler spenden ein Werk, lesen, musizieren und
moderieren umsonst. Und das Line-up kann sich sehen lassen (Informationen zum Ablauf und
zu den einzelnen Künstlern im Anhang):
FÜNF Bands treten im Karo auf :
• Don Voigt (Bluegrass/Country)
• Michael Gerdes (Singer/Songwriter)
• Mira K. (Pop unplugged)
• The Black Slacks (Rock’n’Roll)
• Bert Frommberger (Performance)
SIEBEN Autoren lesen in der GaDeWe :
• Elke Marion Weiß (Prosa & Poesie)
• Olivia Douglas (Lyrik & Geschichten)
• Wolfgang Schlott (Lesung)
• Livius Pundsack (Lesung)
• Norbert Gefken (liest Erich Fried)
• Ali Akondoh (Lesung)
• Hartmut Global (Lesung)
SIEBZEHN bildende Künstler stellen in der GaDeWe aus :
• Thomas Behling (Malerei)
• Mechtild Böger (Zeichnung)
• Andreas Braun (Fotografie)
• Julia Braun (Malerei)
• Kirsten Brünjes (Plastik)
• Anja Fußbach (Mixed Media)
• Tom Gefken (Fotografie)
• Kornelia Hoffmann (Fotografie
• Maggie Luitjens (Malerei)
• Eva Matti (Malerei)
• Jub Mönster (Malerei)
• Erika Plamann (Plastik)
• Uli Precht (Zeichnung)
• Birgit Schütt (Lichtobjekte)
• Isabel Valecka (Malerei)
• Michael Wendt (Fotografie)
• Jens Weyers (Fotografie)
Durch den Abend führt Penny Penski (Moderation). Es wird kein Eintritt erhoben. Die
Veranstaltung soll möglichst viel Geld für die Unterstützung der Hungernden am Horn von
Afrika einspielen, wir würden uns über eine Spende von zehn Euro (oder mehr) natürlich sehr
freuen. Sämtliche Spendeneinnahmen gehen an die Träger des Friedensnobelpreises „Ärzte
ohne Grenzen", die in der Krisenregion Somalia und den angrenzenden Ländern (Kenia und
Äthiopien) medizinische Nothilfe leisten. Kolja Stille wird für Ärzte ohne Grenzen über die
Aktivitäten vor Ort berichten.
Alle Beteiligten und Künstler arbeiten ehrenamtlich, die Firmen unterstützen uns mit ihrem
Einsatz, ihren Räumlichkeiten und Spenden. Alle bildenden Künstler stellen jeweils ein Werk
zur Verfügung, dessen Verkaufserlös der Ostafrika-Hilfe gespendet wird. Neben diesen von
den Künstlern komplett gespendeten Werken, überlässt die GaDeWe den gesamten
Galerieanteil sämtlicher verkaufter Bilder „Ärzte ohne Grenzen“. Die GaDeWe hat zu diesem
Zweck auch am Sonntag, den 28. August von 14-18 Uhr geöffnet!
In kürzester Zeit konnte dank der sehr lebendigen und gut vernetzten Waller Kunst- und
Kulturlandschaft eine Benefiz-Veranstaltung mit einem sehr interessanten Programm auf die
Beine gestellt werden.
Die Initiatorinnen sind Birgit Schütt, Silvia Degenhardt, Erika Plamann, Frieda Höfel und Ruth
Degenhardt. Jede hat auf ihre Weise zur Umsetzung beigetragen, mit Kontakten zu Künstlern,
mit organisatorischem Einsatz, mit Gestaltung, Ideen und immer wieder mit viel Herzblut.
Im Internet (www.waller-benefiz.de) und im Anhang sind der Flyer und die detaillierten
Informationen zu den beteiligten Künstlern zu finden.
Wir vermitteln im Vorfeld natürlich gerne entsprechende Kontakte (z.B. Interviewtermine) für
Ihre Berichterstattung.
Für weitere Fragen steht Ihnen gerne zur Verfügung:
Ruth Degenhardt, 0179 – 24 101 26
Erika Plamann 0176 – 96 63 10 87
waller-benefiz@freenet.de
Mit freundlicher Unterstützung von:
GaDeWe, www.gadewe.de
Karo, www.karo-bremen.de
DekoAction Eventdesign, www.dekoaction.de
Naturkost Kontor Bremen, www.naturkost-kontor.de
Flaschenpost, der Stadtteil-Kiosk
Lange Event, www.langeevent.de
Steuerberater Decker, Schröder, Gisch und Partner
Frau Petra Biesenkamp vom Wagenbach-Verlag für die freundliche Genehmigung
der Erich Fried Lesung



Der 35ste Spieltag geht in die fünfte Saison

Der 35ste Spieltag geht in die fünfte Saison

Auch am Ende der Bundesligasaison 10/11 gibt es wieder einen künstlerischen Rückblick auf die Heimspiele des SV Werder Bremen.
Wie im vergangenen Jahr wurden 17 Künstlern und 17 LiteratInnen, die jeweils ein Zweier-Team bildeten, je ein Heimspiel zugelost, um das Event Fußball künstlerisch in all seinen Facetten zu reflektieren. Jedes Künstlerpaar hat seine Begegnung auf seine Weise umgesetzt.


Im Mittelpunkt stehen allerdings ein ganz besonderer Fußballverein und die bildende und schreibende Kunst.
Als Vorgeschmack oder Einstimmung auf die kommende Ausstellung empfehlen wir gerne die Website der Künstler: www.35ster-spieltag.de

Diese besondere Ausstellung hat auch besondere Öffnungszeiten bekommen:
nur an den Wochenenden, Samstags und Sonntags von 15-18 Uhr, hat die Galerie geöffnet.
Die Ausstellung ist bis einschließlich dem 03.07.2011 zu sehen.

35ster Spieltag 2010/2011


Die Liste der Teilnehmerpaare,
Künstler, Literat/in:

Oliver Voigt, Wolfgang Schlott

Oliver Zabel, Peter Abromeit

Frank Scheffka, Michael Augustin

Piotr Rambowski, Sujata Bhatt

Till Mette, Johann Günther König

Jens Müller, Ian Watson

Jörg Naumann, Detlef Michelers

Tom Gefken, Martin Bührig

Michael Wendt, Brigitte Röttgers

Robert van de Laar, Jutta Reichelt

Hermann Stuzmann, Tim Schomacker

Christian Holtmann, Gaby Mayr

Ali Eichelbach, Rudolph Bauer

Norbert Bauer, Hella Streicher

Hannes Golda, Regina Dyck

Andreas Braun, Birgid Hanke

Hajo König, Jürgen Alberts


Eröffnung der Ausstellung mit Lesung:

Mittwoch den 15. 6. 2011 um 19h

in der GaDeWe, Reuterstr. 9-17, 28217 Bremen



Dieter Rogge und m.giltjes/bobok in der GaDeWe

Dieter Rogge und m.giltjes/bobok in der GaDeWe
Eröffnung am 25.3.2011 um 20 Uhr
Ausstellungsdauer: 25.3.2011 - 21.4.2011
Galerie des Westens, Reuterstraße 9-17, 28217 Bremen
www.gadewe.de
www.bobok.com/uebergriffe

ÜBERGRIFFE - Kaputt ist sowieso das Gegenteil ...
Eine Kooperation von Dieter Rogge und m.giltjes/bobok

Seit gut zwei Jahren kennen sich der Bremer Zeichner Dieter Rogge und der in Visselhövede lebende Künstler m.giltjes/bobok. Aus einer herzlichen, ersten Begegnung während der Ostrale ‘09 in Dresden entstand eine Freundschaft, aus der sich fast zwangsläufig eine intensive Zusammenarbeit entwickelte.

Dabei ergeben sich auf den ersten Blick kaum ähnliche oder vergleichbare Standpunkte hinsichtlich der jeweilig eigenständigen Positionen beider Künstler. Während Rogge konsequent in seinen Bleistiftzeichnungen eine verrätselte Gegenständlichkeit inszeniert, bedient sich Gitjes in allen Bereichen unserer Umwelt, um seine Bilder zu entwickeln. Ob Fotos oder Comics, Reklame oder Textelemente, alles ist für bobok ‘Material‘ und wird wie in einem Reißwolf zu neuen auch provokativen Collagen montiert bzw. in Malerei umgesetzt. Dagegen scheint die eher feinnervige und zurückhaltende Poesie der Zeichnungen Rogges keinen leichten Stand zu haben. Merkwürdigerweise jedoch ergibt sich aus der Konfrontation dieser sich vordergründig ausschließenden Welten ein Spannungsverhältnis, von dem beide Seiten profitieren. Die Wucht der Bilderwelt boboks trifft auf einen Dialogpartner, dessen gestisch-lyrische Bestimmtheit sich umso klarer erweist.

In den Räumen der GaDeWe werden Dieter Rogge und m.giltjes/bobok eigene Werke ausstellen; der Schwerpunkt liegt jedoch auf der Präsentation jener Schnittmenge, wo zusammenwächst, was eigentlich nicht zusammen gehört.

Tom Gefken



Ulrik Happy Dannenberg in der GaDeWe

Ausstellungsdauer: 11.2.2011 bis 18.3.2011

Fachleute, die Werke von Ulrik Happy Dannenberg sehen, sagen „Pop“. Aber was für „Pop“?
Neo, retro oder ganz neu. Mein Eindruck ist inzwischen, dass diese Kategorie hier nicht
funktioniert, und das liegt nicht an Dannenberg, sondern an einem grundsätzlichen Fehler im
Begriff und in unserem Nachdenken über Bilderkonsum.
Bilder verweisen immer auf andere Bilder. Das ist nun mal so im Pop, so erzählen uns die
Kunsthistoriker. Aber das, dass war auch schon so, als das erste Bild gemalt wurde. Stellen
Sie sich vor, irgendwann in einer Höhle malte jemand irgendetwas auf einer Wand. Und das
wurde nur zu einem Bild, weil ein anderer sagte: “Sieht ja aus wie“. Also sind die Bilder
schon im Kopf, bevor sie gemalt werden, egal ob vor 30.000 Jahren oder heute. Es loht sich,
darüber nachzudenken, da die anthropologischen Bedingungen sich nicht geändert haben,
auch wenn es heute wohl mehr Bilder gibt (worüber sich übrigens diskutieren ließe).
Und genau darum unterscheitet sich das Werk von Dannenberg von dem, was man gemeinhin
„Pop“ nennt. Er verweist nämlich zuallererst nicht auf Bilder, die wir kennen; es sind keine
„Suppendosen“, sondern arbeitet viel subtiler mit Sehgewohnheiten und Seherfahrungen und
mit etwas, das in der Debatte fehlt, weil wir bei Bildern immer nur an unendlich
reproduzierbare Flächen denken. Und das ist ein sinnlicher Aspekt, der weit über das bloße
Sehen hinausgeht. Denn Dannenbergs Kunst handelt nicht von der Austauschbarkeit von den
Motiven, davon, dass es „High“ und „Low“ gibt, sondern umgekehrt von der fantastischen
visuellen Pracht, die ein Gegenstand bekommt, wenn er von diesem Künstler in Kunstharz
gemalt wird. Diese Pracht ist extrem medienresistent – von ihr bleibt nichts in einer
Abbildung. Ein Foto zeigt nur das Motiv (Gummibärchen oder Blume), aber ich kenne das
Werk von Dannenberg schon lange und glaube, dass es immer weniger von den Motiven
handelt. Und Kunst, die nicht von Motiven handelt, muss man sehen, so wie sie wirklich ist.
Ulrik Happy Dannenberg hat sich ein Problem gestellt, dass Künstler seit den 1960er Jahren
des vorigen Jahrhunderts beschäftigt. Nicht umsonst sind viele Maler (interessanterweise
kaum Bildhauer) damals in die Rockmusik gewechselt, weil man – ganz einfach: zu einem
Gemälde nicht tanzen kann. Nun hat mir mal in Paris im Centre Pompidou ein Kollege
gezeigt, dass man zu Henri Matisse sehr gut tanzen kann, aber das Problem geistert durch die
Kunstgeschichte. Wie trifft man den Betrachter so als würde man Musik machen. Kann man
gute Laune mittels bildender Kunst kreieren? Matisse konnte es. Und auch – obwohl
Lichtjahre entfernt – Ulrik Happy Dannenberg kann es.

Am Anfang stand die einfache Entdeckung, dass ein Bonbon ein Stimmungsmacher ist. Ich
rede mit Ihnen über Kunst und Sie runzeln die Stirn, schlagen die Arme defensiv übereinander
und denken sich, „was für einen Quatsch“. Und jetzt reiche ich Ihnen ein Bonbon und schon
ändert sich die Stimmung. Aus dieser Erfahrung heraus hat Dannenberg eine Reihe von
Arbeiten entwickelt, bei denen Esswaren in Kunstharz gegossen werden, woraus sich in einer
nächsten Stufe Bilder aus Kunstharz ergaben.
Dannenbergs Strategie ist einfach und sehr effektiv: Er konfrontiert den Betrachter in den
Arbeiten, die er hier heute zeigt, mit einer Seherfahrung, die vor allem die Botschaft in sich
trägt, dass reines Sehen nicht genug ist. Diese Objekte, die wie Gemälde aussehen, erinnern
den Betrachter daran, dass er sie eigentlich betasten (oder schmecken?) möchte: Was für ein
Material es ist, ob es warm ist oder kühl, ob es wirklich hart ist, vielleicht sogar schmiltzt?
Das heißt, dass diese Werke nicht auf den Menschen als Bilderkonsumenten abzielen, sondern
auf den Menschen als ein mit dem ganzen Körper erlebenden Tier; zugegeben ein Tier in
einem Supermarkt.
Diese Kunst ist nicht verkopft, so eine Aussage, die alles andere als simpel ist. Denn damit
konfrontiert entdecken wir, dass unser Nachdenken über Kunst immer sehr beschränkt
intellektuell ist. Wir neigen ja dazu, Kunstwerke, die auf eine sinnliche Erfahrung zielen
negativ zu bewerten – oder mit viel Lacan und Poststrukturalisten zu verpacken –, aber wir
sollten uns trauen, die Wertigkeit umzudrehen. Also über Kunst nachdenken und dabei bei
den Werken anfangen.
Dannenberg nutzt die ganze Bandbreite des Materials Kunstharz, im Fall seiner Gemälde die
eigenartige durchsichtige Qualität, bei der sie als Betrachter das Gefühl haben, durch die
Malerei hindurchsehen zu können, wodurch die Bewegungen in der Fläche wortwörtlich und
bildlich Tiefe bekommen und da wird unsere Wahrnemhung dann höchst interessant, da Sie
die Neigung haben, unter die Farbschicht hindurchsehen zu wollen, worin sich eine
Bewegungsimplikation verbirgt. Also wieder ein Element, dass weiter geht als bloßes
passives Sehen. Dannenbergs Gemälde sind also eigentlich umgekehrte Reliefs. Nicht
Bildhauerei, die wie Malerei aus einer Perspektive funktioniert, sondern Gemälde, die darauf
spekulieren, dass der Betrachter sich, wie im Fall einer Skulptur, in Bewegung setzt.

Wer so über diese Bilder nachdenkt, entdeckt, wie sehr Dannenberg sich mit seinem Werk
eigentlich gegen die Bilderwelt unserer Zeit richtet. Die medial reproduzierten Bilder sausen
an unseren Augen vorbei, aber manche Bilder erinnern uns daran, dass wir als heutige
Menschen mehr sind als bloße Bildkonsumierer.
Für mich ist Dannenberg einer der Künstler, die höchst intelligent auf die Bilderflut unserer
Tage reagiert. Sie kennen das: Uns wird erzählt, dass die Welt von Bildern überflutet wird
und die Frage ist, wie ein Künstler auf diesen Tsunami reagieren soll. Diese Metapher ist
wichtig. Denn die sogenannte Bilderflut ist ein Bildertsunami, bei dem man sich nicht mal
eben mittreiben lassen kann, wie uns einige Museumsleute und Theoretiker versuchen zu
beweisen. Sondern es ist etwas vor dem man sich auch – und das ist nicht heroisch, aber
vernünftig – zurückziehen kann.
Kunst im Sinne Dannenbergs ist dann nicht eine Wiederholung der Bilderflut sondern ein
Medium über das Menschen erfahren, dass und wie sie wahrnehmen, was man bei dem
ganzen Treiben und Ertrinken ja einfach vergißt. Es gibt auch Kunst, die sich aus der
Endlosschleife der Bilderproduktion verabschiedet, indem sie mit minimalen Mitteln die
Aufmerksamkeit auf sich gerichtet hält. Es könnte sein, und das wäre meine These hier heute,
dass in dieser Erfahrung in der Wahrnehmung die besondere Erfüllung dieser Kunstwerke
verborgen liegt.
Mit nicht ironischer Pracht tun viele sich schwer. Es riecht ja nach Kitsch und ist es vielleicht
auch: Es spricht uns höchst direkt an. Wenn man über Dannenbergs Kunst spricht, darf man
über den Konsum und dem Supermarkt reden, keine Frage, da kommen die Motive her, aber
man sollte aufpassen, dabei die Schwerpunkte nicht zu verwechseln. Es ist – so würde ich hier
heute behaupten – zu allererst ein oppulentes visuelles Werk, mit einigen Querverweisen auf
unsere Konsumwelt. Es sind aber vor allem Objekte, die unbedingt gesehen werden müssen.


Arie Hartog



Sabine Seemann; Kanne, Maisfeld, Julia, 7.1.2011-4.2.2011

Sabine Seemann
“Kanne, Maisfeld, Julia”
GaDeWe – Galerie des Westens, Reuterstr. 9-17, 28217 Bremen
Eröffnung am 7.1.2011
Einführung: Dr. Frank Laukötter
Künstlergespräch in der Ausstellung: 4.2.2011 um 18 Uhr
Ausstellungsdauer: 7. Januar 2011 – 4. Februar 2011

Ein Bild von Sabine Seemann ist – bevor es ein Stillleben mit Kanne, eine Land-, Licht- und Luftschaft oder ein Bildnis von Julia wird – ein auf einen Keilrahmen aufgespanntes Stück Stoff, auf dem sich Farben, Farben und nochmals Farben türmen. Die Künstlerin malt zwar, aber sie malt so pastos, dass es eigentlich sinnvoller ist zu schreiben, dass sie Farben modelliert. Eine fette Farbschicht erhebt sich über die andre. Farbschichten werden zerklüftet. Ab und an tut sich der Bildgrund zuunterst des Farbenreliefs wieder auf. Farbberge entstehen, werden versetzt oder vergehen. Hier und da rauscht eine Farblawine Richtung Bildrand und rutscht krustig und wulstig über das Keilrahmenformat hinweg. Bewegung ist im Bild, bedingt durch die Viskosität des Malmaterials, die Schwerkraft und die Gesten des Modellierens. Dass die Farbmaterie – in erster Instanz – eine reine Malerei ist, beglückt die Liebhaberinnen und Liebhaber einer haptisch und optisch sinnlichen Kunst. Und dass sie – in zweiter Instanz – etwas darstellt, beglückt diejenigen, die darüber staunen können, dass die Farbmaterie das überhaupt kann: auch eine Kanne zu sein, Land, ein Gesicht oder etwas so Immaterielles wie Licht und Luft.

Dr. Frank Laukötter