„The Secret Art Society“ von Silke Thoss, Berlin

„The Secret Art Society“ von Silke Thoss, Berlin

Vernissage am 11.August 2017 um 20 Uhr.
Ausstellungsdauer: 11.08.2017 - 08.09.2017
Abbildung:
Silke Thoss,"The Secret Art Society"
Malerei, 2017

SILKE THOSS - künstlerisch
Silke Thoss hat sich zur Entwicklung ihrer künstlerischen Aussage verschiedener Genres bedient und nähert sich immer wieder dem Gesamtkunstwerk an.
Bereits seit früher Jugend widmet sich die Künstlerin ganz selbstverständlich der Malerei und Musik. Diese Ausdrucksformen bilden die Grundlage ihrer Kunst, die sich darin auch oft ergänzen und durchdringen.
Für verschiedene Projekte nutzt die Künstlerin zudem die Installation, Intervention, Performance und Kollaboration. Durch Mode bzw. Kostüm werden bestimmte Auftritte ergänzt. Die Malerei wird zur Bühnenkulisse für den Auftritt als Musikerin. Die getragene Mode wird zum Bild. Der Ausstellungsraum wird selbst gezimmert oder setzt sich in Bewegung. Ausstellungsstück und -Raum nähern sich an. Die Grenzen zwischen ästhetischem Gebilde und Realität werden fließend.
Für ihre Abschlussarbeit am Chelsea College of Art in London etwa bezog Silke Thoss auf dem Hochschulgelände einen Wohnwagen und kreierte ein interaktives Rock’n Roll and Art-Forum. Ein Jahr später reiste sie auf diese Weise durch Deutschland und platzierte sich vor Galerien und Museen.
Immer wieder interveniert sie auch mit Bauchladen-Aktionen den regulären Kunstbetrieb, in dem sie auf Vernissagen oder Kunstmessen neben ihren Bildern auch Butterbrote und Schnäpse anbietet.
Betrachtet man Silke Thoss‘ figurative Malerei, die auf Sperrholz und anderen Materialien genauso Platz findet wie auf der großen Leinwand, werden verschiedene Einflüsse sichtbar.
Durch einen familiären Bezug zu den USA sowie einen Aufenthalt in Massachusetts als Schülerin ist ein früher Einfluss sicherlich in der amerikanischen Folk-Art zu finden, insbesondere in einer eigenen Interpretation des Honky-Tonk. Dieser Musikstil, der sich jenseits des Country-Mainstream kritisch, aber auch humorvoll mit dem eigenen Leben, Arbeiten und der Gesellschaft auseinandersetzt, findet sich nach wie vor in ihrer Musik und Malerei wieder.
Die plakative Präsentation sowie die Beschriftung mit Slogans, anhand dessen Silke Thoss für ihren Standpunkt und ihre Kunst „wirbt“, erinnern an die Pop Art.
Silke Thoss‘ Malerei ist oft amerikanischer als Amerika selbst und wirkt so unmittelbar, dass ihre Hintergründigkeit den Betrachter umso härter trifft. Nämlich dann, wenn er feststellt, dass die Künstlerin uns nicht auf selbige vorbereitet hat. Die Gemälde, Banner und Objekte zeigen auf den ersten Blick keinerlei Intention den Betrachter auf sich selbst zurückzuwerfen. Vielmehr wird man animiert oder überrumpelt. Erst auf den
zweiten Blick offenbart sich die Tiefgründigkeit der beißenden Ironie, der rüden und zugleich liebevollen Kritik oder auch der biografischen Reminiszenzen, die unter anderem ihre Rolle als Protagonistin im Kunstsystem thematisieren. Wenn Silke Thoss selbst in ihrer Arbeit auftritt, gemalt oder musikalisch, lässt sie sich gern von ihrem Alter Ego Silky Watzlove vertreten.
Während das „I Am More American Than You“ stilbildend war und ist, bedeuten ihre Sujets auch immer einen Griff in die Kulturkiste unseres kollektiven Gedächtnisses und der Kunsthistorie. Kleine Figuren à la Hieronymus Bosch tauchen auf, schwebende Herzen und regnende Tränen erinnern an Frida Kahlos Schmerzensbilder, altmeisterliche Herrscherdarstellungen werden mit ironisch bösen Accessoires versehen und erhalten einen Hauch von magischem Realismus.
Gerade die großformatigen Arbeiten scheinen auf diese Weise Geschichten zu erzählen oder den Betrachter dazu anzuregen, selbst Geschichten zu erfinden.
Ganz gleich, auf welchen Stil, auf welchen Inhalt Silke Thoss verweist, oder mit welchem Mittel sie es transportiert, sie betreibt eine pointierte Folk-Art der Jetztzeit. Neben der Malerei und der Musik ist das Erzählen eine der ältesten Kunstformen. In jeder folkloristischen Tradition ist die kunstvolle Erzählung, die Neuinterpretation kollektiver Mythen, Dreh- und Angelpunkt der eigenen Identitätsbildung.
Mit ihrer Kunst kreiert Silke Thoss einen Kosmos, der jenseits der eklektizistischen Oberfläche und der Bilderflut unserer mediatisierten Welt eine künstlerische Position behaupten kann, die den Betrachter betrifft und begeistert.
Text: Christine Glenewinkel
SILKE THOSS - biografisch
25.12.1968 in Osnabrück geboren
1995 Meisterschülerin HFK Bremen bei Prof. Rolf Thiele
1997 Master of Fine Arts Sculpture, Chelsea College of Art & Design London (DAAD Stipendium)
seitdem regelmäßig internationale Ausstellungen (überwiegend Deutschland, Schweiz, USA )
2003 Organisatorin der „Big Shit Show“ in den Lagerhallen des ehemaligen Güterbahnhof, Bremen
2006-07 Stadttheater Freiburg: Musik , Komposition und Schauspiel Pipi Langstrumpf
2008-14 Zusammenarbeit mit Regisseur Michael Jurgons (Hamburg) Bühnenbilder und Kostüme für Die Theatermacher sowie Landestheater Parchim